Wer "Compliance-Software Vergleich" sucht, landet fast immer auf einer Seite, die ein Anbieter selbst betreibt – und auf der dieser Anbieter zufällig auf Platz eins steht. Das ist kein Einzelfall, sondern Standardpraxis im GRC-Markt. Es macht solche Vergleiche nicht falsch, aber es macht sie wertlos als Entscheidungsgrundlage.
Dieser Beitrag versucht etwas anderes: vier Ansätze für NIS-2- und DSGVO-Compliance nebeneinander zu legen, ohne den eigenen am Ende zum Sieger zu erklären. BAM ist einer von vier Wegen – nicht der einzig richtige.
Vier unterschiedliche Grundideen
Proliance verbindet Datenschutz, Informationssicherheit und KI-Compliance mit persönlicher Beratung durch ein großes Expertenteam. Die Software ist Werkzeug, der Mensch ist der eigentliche Mehrwert. Für Unternehmen, die wenig internes Compliance-Wissen haben und eine Begleitung mit Ansprechpartner wollen, ist das ein passendes Modell.
SECJUR setzt auf Automatisierung über mehrere Frameworks hinweg – Schritt-für-Schritt-Assistenten und Cross-Mapping zwischen ISO 27001, TISAX, NIS-2 und DORA in einer geschlossenen Plattform. Stark für Unternehmen, die wiederkehrende Prozesse standardisieren wollen, ohne selbst tief ins Datenmodell einzusteigen.
Kertos zielt auf wachsende Tech-Unternehmen: DSGVO, ISO 27001, SOC 2, TISAX, NIS-2 und EU AI Act in einer zentralen Plattform, ergänzt durch Beratung. Der Fokus liegt auf Automatisierung und Audit-Vorbereitung mit wenig manuellem Aufwand – weniger auf klassischer Datenschutzberatung.
BAM verfolgt einen anderen Grundgedanken: Compliance als offenes, maschinenlesbares Datenmodell statt als geschlossene Plattform. Das Kernmodell liegt unter AGPLv3 auf GitHub, jede Anforderung, jede Risikobewertung, jede Remediation-Logik ist im Klartext einsehbar. Keine der drei anderen Lösungen veröffentlicht ihr Datenmodell offen.
Wo sich die Wege wirklich trennen
Damit der Vergleich nicht bei drei plus eins stehen bleibt, gehört BAM in derselben Tabelle in seinen zwei Ausprägungen dazu: BAM Core, das offene Modell zum Selbstbetrieb, und BAM Enterprise, die dedizierte Variante mit Support. Erst so wird sichtbar, welche Zelle tatsächlich mit welcher vergleichbar ist.
| Merkmal | Proliance | SECJUR | Kertos | BAM Core | BAM Enterprise |
|---|---|---|---|---|---|
| Architektur | Geschlossene SaaS-Plattform | Geschlossene SaaS-Plattform | Geschlossene SaaS-Plattform | Offenes Datenmodell, Selbstbetrieb | Dedizierte Instanz pro Kunde |
| Kernmodell | Proprietär | Proprietär | Proprietär | AGPLv3, öffentlich auf GitHub | Proprietär, auf BAM Core aufbauend |
| Persönliche Beratung | Fester Bestandteil | Nicht im Kern, optional | Ergänzend im Angebot | Nicht im Lieferumfang | SLA, persönlicher Support |
| Einstieg | Vertrieb, Onboarding | Vertrieb, Onboarding | Vertrieb, Onboarding | Selbst hostbar, kein Login | Onboarding-Call, Setup-Gebühr |
| Zugriffsmodell | Web-Login, Multi-Tenant | Web-Login, Multi-Tenant | Web-Login, Multi-Tenant | Single-User, lokal | VPN, dediziert, kein Multi-Tenant |
| Frameworks | DSGVO, NIS-2, ISO 27001 | ISO 27001, TISAX, NIS-2, DORA | DSGVO, ISO 27001, SOC 2, TISAX, NIS-2, EU AI Act | 6 von 8, 58 Objekte | 8 von 8, 80 Objekte, 100 % ISO 27001 |
| Kosten | ab 125 EUR/Monat | auf Anfrage | auf Anfrage | kostenlos | Setup 999 EUR, ab 249 EUR/Monat |
Der eigentliche Unterschied
Proliance, SECJUR und Kertos verkaufen ein fertiges System, in das man sich einloggt. BAM verkauft – beziehungsweise stellt im Core kostenlos bereit – die Logik selbst, die man entweder lokal betreibt oder als dedizierte Instanz beziehen kann. Das eine ist eine Dienstleistung, das andere eine Infrastrukturkomponente. Und selbst innerhalb von BAM unterscheidet sich der Vertragstyp grundlegend: Core ist ein Geschenk, Enterprise ein Produkt mit Preisliste.
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Eine ehrliche Einordnung gehört zu einem ehrlichen Vergleich. BAM ist kein Ersatz für eine Beratung, wenn ein Unternehmen niemanden hat, der sich mit dem Thema beschäftigt. Wer einen externen Datenschutzbeauftragten mit Telefonnummer braucht, der im Zweifel anruft und sagt, was zu tun ist, bekommt das bei Proliance oder activeMind – nicht bei BAM, auch nicht bei BAM Enterprise. BAM liefert die Struktur und die Logik, nicht den Menschen am anderen Ende der Leitung.
BAM ist auch keine fertige Plattform mit Klick-Oberfläche für jeden Mitarbeiter im Unternehmen. Wer eine Software will, in die das gesamte Team ohne technisches Vorwissen einsteigt, ist bei SECJUR oder Kertos besser aufgehoben. BAM Core richtet sich an technisch versierte Teams, die das Datenmodell selbst integrieren wollen. BAM Enterprise nimmt diese Hürde, bleibt aber näher an der Infrastruktur als an der Komfort-Oberfläche.
Wo BAM den Unterschied macht
Für Unternehmen, die bereits eine Compliance-Funktion oder eine IT-Abteilung haben und kein weiteres Vendor-Lock-in wollen, ist die Offenheit des Modells der entscheidende Punkt. Das Datenmodell lässt sich in bestehende GRC-Tools, SIEM-Systeme oder interne KI-Anwendungen einspeisen, statt eine weitere isolierte Plattform zu betreiben. Für Betreiber kritischer Infrastruktur nach NIS-2 oder Finanzunternehmen unter DORA kommt bei BAM Enterprise die dedizierte, per VPN erreichbare Instanz ohne geteilte Cloud-Mandantschaft hinzu – ein Architekturmerkmal, das keine der drei SaaS-Plattformen in dieser Form anbietet.
Kurz gesagt
Wer eine Dienstleistung mit Ansprechpartner sucht: Proliance oder activeMind. Wer eine geschlossene All-in-one-Plattform für das ganze Team will: SECJUR oder Kertos. Wer das Datenmodell selbst prüfen und betreiben will, ohne laufende Kosten: BAM Core. Wer eine dedizierte, betreute Instanz mit allen acht Frameworks will: BAM Enterprise.
Wer also "BAM" mit Proliance, SECJUR oder Kertos vergleicht, vergleicht in Wahrheit am ehesten BAM Enterprise – das ist die Variante mit Support, Updates und dedizierter Infrastruktur, die einem SaaS-Abo am nächsten kommt. BAM Core ist kein direkter Konkurrent zu diesen Plattformen, sondern eine eigene Kategorie: ein offenes Modell, das sich jeder vor jeder Kaufentscheidung selbst ansehen kann – auch wenn die Entscheidung am Ende auf einen anderen Anbieter fällt.
Warum dieser Vergleich anders aufgebaut ist
Dieser Artikel wird auf brain-media.de veröffentlicht, also auf der Seite des BAM-Herstellers. Das allein macht ihn nicht neutral, und das wird hier nicht behauptet. Der Unterschied zu vielen "Top-Anbieter"-Vergleichen im Markt liegt woanders: Es gibt keine Punktzahl, bei der BAM zufällig am höchsten landet, und es gibt einen eigenen Abschnitt darüber, wofür BAM nicht die richtige Wahl ist. Wer das für eine niedrige Hürde hält, hat möglicherweise noch nicht viele Anbietervergleiche im Compliance-Markt gelesen.