Drei Anbieter, drei Preislogiken, ein gemeinsamer Zielmarkt: heyData, Kertos und secjur adressieren allesamt den deutschsprachigen Mittelstand mit Compliance-Software für DSGVO, ISO 27001, NIS-2 und den EU AI Act. Wer die Preisseiten nebeneinanderlegt, findet allerdings zuerst etwas anderes als einen Preisvergleich: Nur einer der drei nennt überhaupt Zahlen.

Das ist kein Nebenbefund, sondern der eigentliche. Ob ein Anbieter Listenpreise veröffentlicht, ist eine Aussage darüber, wie er sich den Kaufvorgang vorstellt – und damit darüber, wen er adressiert.

Quellenbasis und Stand

Ausgewertet wurden öffentlich zugängliche Anbieterseiten, Preisangaben auf Vergleichsportalen (OMR Reviews, G2, Capterra) sowie Kostenaufstellungen in Anbieter-Blogs, Stand 6. September 2026. Es wurden keine Angebote eingeholt, keine Testzugänge genutzt und keine Vertriebsgespräche geführt. Diese Beobachtung bewertet ausdrücklich nicht die Produktqualität, sondern ausschließlich die Preiskommunikation.

Der Befund in einem Satz

heyData kommuniziert gestaffelte Monatspreise, Kertos gar keine, secjur nur indirekt über eigene Kostenartikel. Die Bemessungsgrundlagen unterscheiden sich zusätzlich: Mitarbeiterzahl und eingesetzte Werkzeuge bei heyData, Unternehmensgröße und gewählte Frameworks bei Kertos, Unternehmensgröße, Standorte und Integrationstiefe bei secjur.

AnbieterPreise öffentlichBemessungImpliziter Kaufvorgang
heyDatagestaffelte MonatspreiseMitarbeiter, Auftragsverarbeiter, WebsitesSelbstentscheidung, Abo
KertoskeineGröße und Framework-UmfangVertriebsgespräch, Jahresvertrag
secjurnur GrößenordnungGröße, Standorte, IntegrationenProjektbudget, Solution Design

heyData: Der Preis steht da, weil eine Person allein entscheiden soll

heyData nennt Einstiegspreise ab rund 89 Euro monatlich, mit Stufen im mittleren dreistelligen Bereich für Pakete mit kürzeren Reaktionszeiten und zusätzlichem Supportkontingent. Die genaue Summe ergibt sich über einen Rechner aus Mitarbeiterzahl, Anzahl der eingesetzten Auftragsverarbeiter und Anzahl der Websites und Apps. Günstiger wird es bei längerer Vertragsbindung mit jährlicher Vorauszahlung.

Wer so kalkuliert, adressiert Unternehmen, in denen eine einzelne Person den Kauf auslösen darf: Geschäftsführung, IT-Leitung oder Datenschutzkoordination in einem Betrieb mit zweistelliger Mitarbeiterzahl. Ein Preis auf der Website funktioniert nur dann als Vertriebsinstrument, wenn es keinen Beschaffungsprozess gibt, der ihn ohnehin wieder aufmacht.

Bemerkenswert ist die Bewegung in die andere Richtung: Für die neueren Multi-Framework-Pakete verweist heyData inzwischen selbst auf ein individuelles Angebot nach Unternehmensgröße und Modulen. Die bekannten Einstiegspreise stammen überwiegend aus der Datenschutz-Historie des Anbieters und werden vor allem von Vergleichsportalen weitergetragen. Preistransparenz ist also nichts Statisches, sondern verschiebt sich mit dem Produktumfang.

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Kertos: Kein Preis ist auch eine Positionierung

Bei Kertos findet sich weder auf der Plattformseite noch auf den Vergleichsportalen eine Zahl; die Portale vermerken durchgängig, dass der Anbieter keine Preisinformationen kommuniziert. Bepreist wird individuell, nach Unternehmensgröße und benötigten Frameworks.

Das ist branchenüblich und trotzdem aussagekräftig. Wer den Preis erst im Gespräch nennt, rechnet mit einem Gegenüber, das ein Gespräch führen darf und will – typischerweise ein Scale-up oder Mittelständler unter konkretem Zertifizierungsdruck, etwa vor einem ISO-27001-, SOC-2- oder TISAX-Audit. In dieser Situation ist der Preis selten das erste Kriterium; die Frage lautet, ob das Audit im geplanten Quartal besteht.

secjur: Projektlogik statt Abologik

secjur veröffentlicht ebenfalls keine Listenpreise, nennt aber in eigenen Kostenartikeln eine Größenordnung: Das Digital Compliance Office wird dort mit einem Einstieg ab etwa 10.000 Euro eingeordnet, ausdrücklich im Vergleich zu den Gesamtkosten einer ISO-27001-Einführung. Die Bemessung erfolgt modular nach Unternehmensgröße, Standorten und Integrationstiefe.

Der Bezugspunkt ist damit ein anderer als bei heyData. Verglichen wird nicht mit einem anderen Abo, sondern mit Beratertagessätzen. Die Einsparversprechen des Anbieters – schneller zur Zertifizierung, ein erheblicher Teil der Beratungskosten vermeidbar – sind Werbeaussagen und als solche zu lesen; interessant ist die Referenzgröße dahinter. Wer sein Produkt gegen ein Beratungsprojekt stellt, adressiert ein Budget, das einmal beantragt und bewilligt wird, nicht eine monatliche Betriebsausgabe.

Was sich in den Daten nicht bestätigt

Ein reines Preismodell pro Nutzer findet sich bei keinem der drei Anbieter. Die Achse ist bei allen die Organisation, nicht der einzelne Arbeitsplatz. Das unterscheidet den DACH-Compliance-Markt spürbar von der US-geprägten GRC-Software, in der Seat-Lizenzen die Regel sind.

Was daraus für die Auswahl folgt

Drei Prüffragen, die sich aus der Beobachtung ableiten lassen und die vor jedem Anbietergespräch intern zu klären sind:

  • Wer darf bei Ihnen kaufen? Gibt es einen Beschaffungsprozess mit Freigabestufen, ist ein Listenpreis ohnehin nur ein Ausgangswert.
  • Welche Kostenachse wächst bei Ihnen am schnellsten? Mitarbeiterzahl, Standorte oder Zahl der angebundenen Systeme – diese Achse bestimmt die Kosten in Jahr drei, nicht der Einstiegspreis.
  • Einmaliger Zertifizierungsanlass oder Dauerbetrieb? Ein Projektbudget für ein Audit und eine dauerhafte Betriebsausgabe für ein Compliance-Management-System sind zwei verschiedene Entscheidungen, auch wenn dieselbe Plattform beide bedienen kann.

Grenzen dieser Beobachtung

Listenpreise sind Ankerpreise. Was am Ende im Vertrag steht, hängt von Laufzeit, Modulwahl und Verhandlung ab, und darüber sagen öffentliche Quellen nichts. Ebenso wenig lässt sich aus der Preiskommunikation auf die Qualität der Plattform schließen: Ein Anbieter ohne veröffentlichte Preise kann das bessere Produkt haben, ein transparenter Anbieter das schlechtere. Und Preisstrukturen ändern sich, in diesem Marktsegment mehrfach pro Jahr. Wer die Zahlen für eine Entscheidung braucht, prüft sie am Tag der Entscheidung selbst nach.