Compliance-Lexikon · Grundbegriff

Availability

[əˌveɪləˈbɪlɪti] · auch: Verfuegbarkeit, Betriebsbereitschaft

Availability bezeichnet die Eigenschaft eines Systems, Dienstes oder einer Information, fuer autorisierte Benutzer zum erforderlichen Zeitpunkt zugreifbar und nutzbar zu sein – als drittes Element der CIA-Triad neben Confidentiality und Integrity.

Warum Availability ein Grundbegriff der IT-Compliance ist

Availability ist das am haeufigsten unterschaetzte Element der CIA-Triad. Waehrend Vertraulichkeit und Integritaet intuitive Schutzgueter sind, wird Verfuegbarkeit oft als Betriebsthema betrachtet – bis ein Ausfall eintritt und Regulatoren nach Massnahmen fragen. NIS-2 und DORA haben Verfuegbarkeit explizit in den Compliance-Rahmen gehoben: Wer kritische Dienste betreibt, muss Verfuegbarkeitsziele definieren und deren Einhaltung nachweisen.

Wo Availability gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022A.8.6 / A.8.14Kapazitaetsmanagement und Redundanz: Systeme muessen so ausgelegt sein, dass Verfuegbarkeitsanforderungen erfuellt werden.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2Business Continuity und Verfuegbarkeit kritischer Dienste als explizite Schutzanforderung fuer wesentliche Einrichtungen.
DORAArt. 11Wiederherstellung kritischer IKT-Funktionen: RTO und RPO muessen definiert, dokumentiert und jaehrlich getestet werden.
BSI IT-GrundschutzORP.4 / CON.3Verfuegbarkeitsklassen und Datensicherung: Schutzbedarf nach Verfuegbarkeit klassifizieren und entsprechende Massnahmen ableiten.
ISO 22301vollstaendigBusiness Continuity Management: Internationaler Standard fuer Verfuegbarkeit kritischer Geschaeftsprozesse.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt CROSS-AV-02
BeschreibungVerfuegbarkeit kritischer Systeme mit definierten Wiederherstellungszielen (RTO/RPO)

Haeufige Audit-Fehler

  • RTO und RPO definiert, aber nie getestet
  • Keine Verfuegbarkeitsklassen fuer verschiedene Systemkategorien
  • Single Points of Failure nicht identifiziert und nicht adressiert
  • Backups vorhanden, aber keine dokumentierten Wiederherstellungstests

RTO und RPO als operative Kernkennzahlen

Recovery Time Objective (RTO) definiert die maximale tolerierbare Ausfallzeit – wie lange ein System ausser Betrieb sein darf, bevor der Schaden inakzeptabel wird. Recovery Point Objective (RPO) definiert den maximalen Datenverlust – wie alt die zuletzt wiederherstellbare Datensicherung sein darf. Beide Werte muessen pro System differenziert festgelegt und jaehrlich durch Tests verifiziert werden. DORA Art. 11 und NIS-2 verlangen diesen Nachweis explizit. Wer RTO und RPO nur auf dem Papier hat, hat keine Verfuegbarkeitskontrolle.

Hoch- vs. Niedrig-Verfuegbarkeit: Was wann noetig ist

Nicht alle Systeme benoetigen maximale Verfuegbarkeit. Eine Schutzbedarfsfeststellung nach BSI IT-Grundschutz unterscheidet normale (Ausfall tolerierbar bis 72 Stunden), hohe (Ausfall tolerierbar bis 4 Stunden) und sehr hohe Verfuegbarkeit (Ausfall nicht tolerierbar – Redundanz und Failover erforderlich). Die Klassifizierung bestimmt die Architekturanforderungen: Redundante Systeme, geografisch verteilte Rechenzentren, automatische Failover-Mechanismen sind nur fuer die hoechste Stufe wirtschaftlich sinnvoll.

Naechste Ebene

Availability in der Praxis: RTO, RPO, Tests und Evidence

Wie Verfuegbarkeitsziele operativ umgesetzt und im Audit nachgewiesen werden.

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