Compliance-Lexikon · Risiko

Systemic Risk

[sɪˈstemɪk rɪsk] · auch: systemisches Risiko, Ansteckungsrisiko, Sektorrisiko

Systemisches Risiko bezeichnet das Risiko, dass ein Ereignis bei einer einzelnen Organisation oder einem Dienstleister kaskadierende Auswirkungen auf andere Organisationen, Branchen oder die gesamte Wirtschaft hat -- besonders relevant bei kritischer Infrastruktur, Finanzsektor und konzentrierten IKT-Abhaengigkeiten.

Warum Systemic Risk ein zentraler Risikobegriff ist

Systemic Risk ist ein Kernbestandteil jedes strukturierten Risikomanagements. ISO 27001, NIS-2 und DORA setzen das Konzept als Grundlage für risikobasierte Entscheidungen voraus -- ohne diese Grundlage fehlt dem Sicherheitsprogramm das analytische Fundament. Im Audit wird geprüft, ob Systemic Risk nicht nur bekannt, sondern systematisch und dokumentiert angewandt wird.

Wo Systemic Risk gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
DORAArt. 28-31Kritische IKT-Drittanbieter: Systemisches Risiko als Grund für das DORA-Drittparteienregime.
NIS-2 / BSIG§ 28Kritische Anlagen: Systemisches Risiko als Abgrenzungsmerkmal für KRITIS-Qualifikation.
ESRBvollständigEuropäischer Ausschuss für Systemrisiken: Systemisches Risiko als Kernmandat.
FSAP / IWFvollständigFinancial Sector Assessment Program: Systemisches Risiko als Bewertungsgegenstand.
ISO 31000Kap. 6.4Systemisches Risiko als besondere Risikokategorie mit sektorweiten Auswirkungen.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt RISK-SY-01
BeschreibungSystemisches-Risiko-Assessment fuer Abhaengigkeiten von kritischer Infrastruktur und Drittparteien

Häufige Audit-Fehler

  • Konzept verstanden, aber nicht in einer dokumentierten Methodik verankert
  • Inkonsistente Anwendung -- verschiedene Teams bewerten nach unterschiedlichen Masssstäben
  • Keine regelmässige Aktualisierung der Bewertungen
  • Fehlende Verbindung zum Risikoappetit und zur Massnahmenplanung

Einordnung im Risikomanagement-Gesamtrahmen

Systemic Risk ist kein isoliertes Konzept, sondern Teil eines integrierten Risikomanagement-Zyklus: Identifikation, Bewertung, Behandlung, Überwachung. Es greift mit dem Risk Appetite Statement, dem Risikoregister, der Risk Heat Map und dem Risk Reporting ineinander. Wer Systemic Risk konsistent und dokumentiert anwendet, stellt sicher, dass alle nachgelagerten Schritte auf einer soliden Grundlage beruhen.

Quantitativ vs. qualitativ

Die meisten Organisationen beginnen mit qualitativer Bewertung und erganzen schrittweise quantitative Elemente für hochprioritäre Risiken. Beide Ansätze sind für ISO 27001 und NIS-2 akzeptiert -- entscheidend ist die Konsistenz der Methodik und die Nachvollziehbarkeit der Bewertungen. DORA empfiehlt für systemrelevante Finanzunternehmen eine zunehmende Quantifizierung.

Nächste Ebene

Systemic Risk in der Praxis: Methodik, Umsetzung und Evidence

Was Auditoren bei Systemic Risk konkret prüfen und welche Evidence benötigt wird.

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