Compliance-Lexikon · Technik

Attack Vector

[əˈtæk ˈvɛktə] · auch: Angriffsvektor, Angriffspfad, CVSS-Vektor

Ein Attack Vector bezeichnet den Weg oder die Methode, durch die ein Angreifer Zugang zu einem System erlangt – klassifiziert im CVSS (Common Vulnerability Scoring System) nach Netzwerk, Adjacent, Lokal und Physisch – als Grundlage für Schwachstellenpriorisierung und Schutzmassnahmen-Planung.

Warum Attack Vector ein Kern-Technikbegriff der IT-Compliance ist

Attack Vector ist eine technische Sicherheitsmassnahme, die in allen wesentlichen Compliance-Frameworks als Anforderung oder Best Practice gelistet ist. ISO 27001, NIS-2 und DORA setzen Attack Vector voraus – nicht als optionales Extra, sondern als Grundbestandteil eines wirksamen Sicherheitsprogramms. Im Audit wird geprüft, ob die Massnahme implementiert ist, ob sie wirksam konfiguriert ist und ob die Wirksamkeit nachgewiesen werden kann.

Wo Attack Vector gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
CVSS v3.1 / v4.0Attack Vector MetricAttack Vector als explizite CVSS-Metrik für die Bewertung von Schwachstellen.
MITRE ATT&CKInitial AccessAttack Vectors als Einstiegspunkte fuer die ersten Phasen der Kill Chain.
ISO 27001:2022A.8.8Schwachstellenmanagement: Attack-Vector-Analyse als Grundlage fuer Priorisierung.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2Risikobasierter Ansatz: Attack Vectors als Risikoparameter fuer Schutzmassnahmen.
BSI IT-GrundschutzBSI 200-3Risikoanalyse: Angriffsvektoren als Bewertungsgrundlage fuer Sicherheitsmassnahmen.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt TECH-AV-01
BeschreibungAttack-Vector-Analyse mit Dokumentation aller Angriffsvektoren und abgeleiteten Schutzmassnahmen

Häufige Audit-Fehler

  • Massnahme implementiert, aber Konfiguration nicht dokumentiert
  • Wirksamkeit nicht regelmässig geprueft – Drift von der Baseline unbemerkt
  • Abdeckung unvollständig – nicht alle relevanten Systeme einbezogen
  • Kein Nachweis der Massnahmenwirksamkeit für den Auditor

Policy as Code: Technische Massnahmen als pruefbare Artefakte

Der Leitgedanke dieser Kategorie ist Policy as Code: Sicherheitsanforderungen werden nicht nur als Richtlinien dokumentiert, sondern als technische Konfigurationen implementiert, die automatisch pruefbar sind. Für Attack Vector bedeutet das: Die Konfiguration ist versioniert, die Wirksamkeit wird kontinuierlich gemessen und die Ergebnisse werden als Evidence archiviert. Das macht den Abstand zwischen Richtlinie und Wirklichkeit sichtbar – und schliesst ihn systematisch.

Abdeckung und Ausnahmen

Vollständige Abdeckung aller relevanten Systeme ist der kritische Punkt: Eine Massnahme, die 95 Prozent der Systeme schutzt, hinterlasst fünf Prozent als Einstiegspunkte. Ausnahmen (Legacy-Systeme, OT, Testsysteme) muessen explizit dokumentiert und mit Kompensationsmassnahmen oder risikoakzeptierten Restrisiken versehen sein. Undokumentierte Ausnahmen sind im Audit stets ein Befund.

Nächste Ebene

Attack Vector in der Praxis: Konfiguration, Abdeckung und Evidence

Was Auditoren bei Attack Vector konkret pruefen und welche Evidence benoetigt wird.

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