Compliance-Lexikon · Risiko

Vulnerability Assessment

[ˌvʌlnərəˈbɪlɪti əˈsɛsmənt] · auch: Schwachstellenbewertung, VA

Ein Vulnerability Assessment ist die systematische Identifikation, Klassifizierung und Priorisierung von Schwachstellen in IT-Systemen, Netzwerken und Anwendungen – mit dem Ziel, Risiken zu quantifizieren und Behandlungsprioritäten zu setzen, ohne dabei aktiv in Systeme einzudringen.

Warum Vulnerability Assessment unverzichtbar ist

Unbekannte Schwachstellen sind das größte Angriffsziel. NIS-2 hat Schwachstellenmanagement explizit als Pflichtmaßnahme verankert. Ein Vulnerability Assessment ist der systematische Prozess, Schwachstellen zu kennen, bevor Angreifer sie ausnutzen.

Wo Vulnerability Assessment gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022A.8.8Schwachstellen in genutzten Technologien müssen zeitnah identifiziert, bewertet und behandelt werden.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2iSchwachstellenmanagement als explizite Pflichtmaßnahme für wesentliche und wichtige Einrichtungen.
DORAArt. 10IKT-Systeme müssen regelmäßig auf Schwachstellen geprüft werden, kritische Systeme mindestens jährlich.
CRAArt. 13Hersteller vernetzter Produkte müssen Schwachstellen aktiv identifizieren und koordiniert offenlegen.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt RISK-VA-01
BeschreibungVulnerability-Assessment-Programm mit Scan-Zyklus, Schwachstellenregister und Remediation-Tracking

Häufige Audit-Fehler

  • VA nur einmalig oder unregelmäßig durchgeführt
  • Ergebnisse nicht priorisiert oder nachverfolgt
  • Keine Trennung zwischen VA und Penetration Testing
  • Scope deckt nicht alle kritischen Systeme ab

VA vs. Penetration Testing

Ein Vulnerability Assessment identifiziert und klassifiziert Schwachstellen automatisiert – ohne sie aktiv auszunutzen. Ein Penetration Test geht weiter: Er versucht, identifizierte Schwachstellen tatsächlich auszunutzen, um die reale Ausnutzbarkeit zu prüfen. VA ist breiter und regelmäßiger (quartalsweise bis monatlich); Penetration Testing ist tiefer und seltener (jährlich oder bei wesentlichen Änderungen). Beide ergänzen sich.

CVSS: Schwachstellen priorisieren

Das Common Vulnerability Scoring System (CVSS) liefert standardisierte Schweregrade (0 bis 10) für bekannte Schwachstellen. CVSS allein ist nicht ausreichend für die Priorisierung – entscheidend ist die Kombination aus CVSS-Score, Ausnutzbarkeit in der realen Bedrohungslandschaft und Kritikalität des betroffenen Systems. Systeme mit niedrigem CVSS-Score können kritischer sein als solche mit hohem Score, wenn sie zentrale Compliance-Prozesse unterstützen.

Nächste Ebene

Vulnerability Assessment durchführen: Tools, Zyklus und Priorisierung

Wie ein NIS-2-konformes Schwachstellenmanagement-Programm aufgebaut wird – von der Tool-Auswahl bis zur Audit-Evidence.

Verwandte Begriffe

Compliance läuft. Oder sie läuft nicht.

Testen Sie kostenlos, wo Ihre Compliance heute steht.