Compliance-Lexikon · Technik
IDS/IPS
[aɪ diː ɛs / aɪ piː ɛs] · Intrusion Detection / Prevention System · auch: Angriffserkennungssystem
IDS (Intrusion Detection System) erkennt Angriffe und meldet sie, IPS (Intrusion Prevention System) erkennt und blockiert sie automatisch – als aktive Überwachungsschicht, die Netzwerkverkehr und Systemereignisse auf bekannte Angriffsmuster und Anomalien prueft.
Warum IDS/IPS ein Kern-Technikbegriff der IT-Compliance ist
IDS/IPS ist eine technische Sicherheitsmassnahme, die in allen wesentlichen Compliance-Frameworks als Anforderung oder Best Practice gelistet ist. ISO 27001, NIS-2 und DORA setzen IDS/IPS voraus – nicht als optionales Extra, sondern als Grundbestandteil eines wirksamen Sicherheitsprogramms. Im Audit wird geprüft, ob die Massnahme implementiert ist, ob sie wirksam konfiguriert ist und ob die Wirksamkeit nachgewiesen werden kann.
Wo IDS/IPS gefordert wird
| Framework | Referenz | Anforderung |
|---|---|---|
| ISO 27001:2022 | A.8.16 | Überwachungsaktivitäten: IDS/IPS als Erkennungsmassnahme. |
| NIS-2 / BSIG | § 30 Abs. 2c | Erkennung von Sicherheitsvorfällen: IDS/IPS als technische Umsetzung. |
| DORA | Art. 10 | Kontinuierliche Überwachung: IDS/IPS als Erkennungstechnologie. |
| BSI IT-Grundschutz | DER.1.1 | Detektion: IDS/IPS als empfohlene Erkennungstechnologie. |
| PCI DSS 4.0 | Req. 11 | IDS/IPS für die Überwachung der Cardholder Data Environment als PCI-Pflicht. |
BAM-Objektreferenz
Häufige Audit-Fehler
- Massnahme implementiert, aber Konfiguration nicht dokumentiert
- Wirksamkeit nicht regelmässig geprueft – Drift von der Baseline unbemerkt
- Abdeckung unvollständig – nicht alle relevanten Systeme einbezogen
- Kein Nachweis der Massnahmenwirksamkeit für den Auditor
Policy as Code: Technische Massnahmen als pruefbare Artefakte
Der Leitgedanke dieser Kategorie ist Policy as Code: Sicherheitsanforderungen werden nicht nur als Richtlinien dokumentiert, sondern als technische Konfigurationen implementiert, die automatisch pruefbar sind. Für IDS/IPS bedeutet das: Die Konfiguration ist versioniert, die Wirksamkeit wird kontinuierlich gemessen und die Ergebnisse werden als Evidence archiviert. Das macht den Abstand zwischen Richtlinie und Wirklichkeit sichtbar – und schliesst ihn systematisch.
Abdeckung und Ausnahmen
Vollständige Abdeckung aller relevanten Systeme ist der kritische Punkt: Eine Massnahme, die 95 Prozent der Systeme schutzt, hinterlasst fünf Prozent als Einstiegspunkte. Ausnahmen (Legacy-Systeme, OT, Testsysteme) muessen explizit dokumentiert und mit Kompensationsmassnahmen oder risikoakzeptierten Restrisiken versehen sein. Undokumentierte Ausnahmen sind im Audit stets ein Befund.
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IDS/IPS in der Praxis: Konfiguration, Abdeckung und Evidence
Was Auditoren bei IDS/IPS konkret pruefen und welche Evidence benoetigt wird.