Compliance-Lexikon · Praxis

Inherent Risk – Praxis

Die Unterscheidung zwischen Inherent Risk und Residual Risk ist einer der häufigsten Stolpersteine in Risikobeurteilungen. Auditoren prüfen explizit, ob beide Werte vorhanden sind – und ob die Differenz durch dokumentierte Kontrollen erklärt werden kann.

Was Auditoren konkret prüfen

Der Auditor nimmt ein Risiko aus dem Register und fragt: Was war das inhärente Risiko vor den Kontrollen? Welche Kontrollen wurden implementiert? Was ist das verbleibende Residual Risk? Ist dieses als akzeptabel eingestuft und von wem?

BAM-Objekt · Praxis RISK-IR-01
Gap-CheckEnthält das Risk Register sowohl Inherent Risk als auch Residual Risk mit dokumentierten Kontrollen für jedes Risiko?
RemediationRisk Register um Inherent-Risk-Spalte ergänzen, Kontrollen je Risiko dokumentieren, Residual Risk neu bewerten
EvidenceRisk Register mit Inherent Risk, Kontrollen und Residual Risk, Akzeptanzentscheidungen mit Datum und Genehmigung

Häufige Fehler

  • Nur Residual Risk im Register, kein Inherent Risk
  • Kontrollen aufgelistet, aber Wirksamkeitsbewertung fehlt
  • Akzeptanzentscheidung für Residual Risk nicht dokumentiert

Praxis-Tipp

Ein Risiko-Register mit drei Spalten – Inherent Risk, implementierte Kontrollen, Residual Risk – ist ausreichend, um die Anforderungen von ISO 27001 und NIS-2 zu erfüllen. Die Zahlen müssen nachvollziehbar sein, nicht wissenschaftlich exakt.

Akzeptanzentscheidung für Residual Risk

Jedes Residual Risk muss explizit behandelt werden: akzeptieren (wenn unterhalb der definierten Risikoakzeptanzgrenze), weiter reduzieren (durch zusätzliche Kontrollen), transferieren (z.B. durch Versicherung) oder vermeiden (Prozess oder Aktivität einstellen). Diese Entscheidung muss dokumentiert und von der zuständigen Führungsebene bestätigt sein.

Evidence-Anforderungen im Audit

Vorzulegen sind: Risk Register mit Inherent Risk, Kontrollen und Residual Risk für alle wesentlichen Risiken, Bewertungsmaßstab und -skala, Akzeptanzentscheidungen mit Datum und Verantwortlichem. Das BAM-Objekt RISK-IR-01 listet diese Anforderungen als prüfbare Checkliste.

Nächster Schritt

NIS-2-Stresstest starten

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Die strategische Einordnung – Inherent Risk als Grundlage der Risikosteuerung – findet sich auf Ebene 3.

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