Compliance-Lexikon · Risiko

Inherent Risk

[ɪnˈhɪərənt rɪsk] · auch: Bruttorisiko, inhärentes Risiko

Inherent Risk (inhärentes Risiko) ist das Risiko, das einem Prozess, System oder einer Aktivität innewohnt, bevor irgendwelche Kontrollen oder Gegenmaßnahmen angewendet werden – das Bruttorisiko im unkontrollierten Zustand.

Warum Inherent Risk erfasst werden muss

Ohne die Kenntnis des inhärenten Risikos lässt sich die Wirksamkeit von Kontrollen nicht beurteilen. Nur wer weiß, wie hoch das Ausgangsrisiko ist, kann feststellen, ob eine Kontrollmaßnahme ausreichend ist oder ob ein inakzeptables Restrisiko verbleibt.

Wo Inherent Risk gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27005:2022Kap. 8Risikobeurteilung beginnt mit dem inhärenten Risiko vor Berücksichtigung bestehender Kontrollen.
NIS-2 / BSIG§ 30Risikoanalyse muss das Ausgangsrisiko vor Maßnahmen erfassen, um die Wirksamkeit von Kontrollen bewerten zu können.
COSO ERMKap. 6Inherent Risk ist ein zentrales Konzept des Enterprise Risk Management nach COSO.
ISO 31000:2018Kap. 6.4Risikobeurteilung erfasst zuerst das Risiko ohne Behandlung, dann das Restrisiko nach Maßnahmen.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt RISK-IR-01
BeschreibungRisk Register mit Inherent Risk, implementierten Kontrollen und Residual Risk für alle wesentlichen Risiken

Häufige Audit-Fehler

  • Risikobewertung erfasst nur das Restrisiko, nicht das inhärente Risiko
  • Keine Nachvollziehbarkeit der Risikoreduzierung durch Kontrollen
  • Inherent Risk und Residual Risk werden nicht klar unterschieden
  • Bewertungsmaßstab nicht dokumentiert

Inherent Risk vs. Residual Risk

Inherent Risk ist das Ausgangsrisiko ohne Kontrollen. Residual Risk ist das verbleibende Risiko nach Anwendung aller Kontrollen. Die Differenz zwischen beiden zeigt, wie wirksam die implementierten Kontrollen sind. Für ISO 27001 und NIS-2 müssen beide Werte dokumentiert sein: Das Residual Risk muss explizit als akzeptabel eingestuft oder durch weitere Maßnahmen reduziert werden.

Bewertungsmaßstäbe

Die gebräuchlichste Methode: Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadensausmaß, bewertet auf einer definierten Skala (z.B. 1 bis 5 oder niedrig/mittel/hoch/kritisch). Entscheidend ist, dass der gewählte Maßstab dokumentiert, konsistent angewendet und nachvollziehbar ist – nicht dass er mathematisch präzise ist.

Nächste Ebene

Risikobeurteilung durchführen: Inherent Risk, Kontrollen, Residual Risk

Wie eine ISO-27005-konforme Risikobeurteilung aufgebaut wird und was Auditoren prüfen.

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