Compliance-Lexikon · Grundbegriff

Kill Chain

[kɪl tʃeɪn] · auch: Cyber Kill Chain, Angriffskette

Die Kill Chain ist ein Analyserahmen fuer Cyberangriffe, der den Angriffsverlauf in sequenzielle Phasen unterteilt – von der Aufklaerung bis zur Zielerreichung – um Erkennungs- und Unterbrechungspunkte fuer jede Phase zu identifizieren und Sicherheitsmassnahmen gezielt auszurichten.

Warum die Kill Chain ein Compliance-relevantes Analysemodell ist

Die Kill Chain wurde von Lockheed Martin fuer militaerische Angriffe entwickelt und auf Cyberangriffe uebertragen. Ihr strategischer Wert liegt darin, Angriffe nicht als singulaere Ereignisse zu betrachten, sondern als Prozesse mit definierbaren Phasen – in denen Verteidiger an jedem Punkt unterbrechen koennen. NIS-2 und DORA erwarten Erkennungs- und Reaktionsmassnahmen, die auf reale Angriffsphasen ausgerichtet sind. Die Kill Chain ist das Analysewerkzeug dafuer.

Wo die Kill Chain gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
MITRE ATT&CKvollstaendigMITRE ATT&CK erweitert die Kill Chain um detaillierte Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) bekannter Angreifergruppen.
ISO 27001:2022A.5.7Bedrohungsinformationen: Systematische Analyse von Angriffstechniken als Grundlage fuer Schutzmassnahmen.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2Massnahmen zur Erkennung von Sicherheitsvorfaellen setzen Verstaendnis der Angriffsphasen voraus.
DORAArt. 26Threat-Led Penetration Testing (TLPT): Kill-Chain-Analyse als methodische Grundlage fuer bedrohungsgesteuerte Tests.
BSI IT-GrundschutzDER.1 / DER.2Detektion und Reaktion: Erkennungsmassnahmen entlang der Angriffsphasen als Grundschutz-Anforderung.

Haeufige Audit-Fehler

  • Sicherheitsmassnahmen nicht systematisch gegen Angriffsphasen gemappt
  • Erkennung nur am Perimeter – spaetere Angriffsphasen unueberwacht
  • Threat-Modelling ohne Kill-Chain-Referenz – keine Systematik
  • SIEM-Regeln decken nur einzelne Phasen ab, nicht die gesamte Kette

Die sieben Phasen der Cyber Kill Chain

Reconnaissance (Aufklaerung): Angreifer sammelt Informationen ueber Ziel. Weaponization (Bewaffnung): Angreifer erstellt Angriffswerkzeug. Delivery (Auslieferung): Angriff erreicht das Ziel (Phishing, Drive-by-Download). Exploitation (Ausnutzung): Schwachstelle wird ausgenutzt. Installation: Malware wird installiert, Foothold hergestellt. Command & Control (C2): Angreifer kommuniziert mit kompromittiertem System. Actions on Objectives: Angreifer erreicht sein Ziel (Datexfiltration, Verschluesselung, Sabotage). MITRE ATT&CK ergaenzt dieses Modell um ueber 200 spezifische Techniken mit Erkennungs- und Abwehrempfehlungen pro Phase.

Kill Chain als Basis fuer Sicherheitsarchitektur

Wer die eigene Sicherheitsarchitektur gegen die Kill-Chain-Phasen mappt, erkennt sofort, in welchen Phasen Luecken bestehen. Die meisten Organisationen haben starken Perimeter-Schutz (Delivery-Phase), aber schwache Erkennungs- und Reaktionsmassnahmen fuer Installation und C2. Angreifer, die den Perimeter ueberwunden haben, koennen sich deshalb oft wochenlang unentdeckt bewegen.

Naechste Ebene

Kill Chain in der Praxis: Mapping, Lueckenanalyse und Evidence

Wie Sicherheitsmassnahmen gegen Kill-Chain-Phasen gemappt werden und was Auditoren pruefen.

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