Compliance-Lexikon · Technik

MFA

[ˌem ɛf ˈeɪ] · Multi-Factor Authentication, Mehrfaktorauthentifizierung

Multi-Factor Authentication (MFA) bezeichnet ein Authentifizierungsverfahren, das zwei oder mehr unabhaengige Faktoren aus den Kategorien Wissen (Passwort), Besitz (Token, Smartphone) und Inhaerenzeigenschaft (Biometrie) kombiniert -- um sicherzustellen, dass die Kompromittierung eines einzelnen Faktors nicht ausreicht, um unbefugten Zugriff zu ermoeglichen.

Warum MFA wichtig ist

Kompromittierte Zugangsdaten sind die haeufigste Ursache von Sicherheitsvorfaellen -- laut Verizon Data Breach Investigations Report in mehr als 80 Prozent der Faelle beteiligt. MFA reduziert dieses Risiko drastisch: Ein gestohlenes Passwort allein reicht nicht mehr fuer unbefugten Zugriff. Auditoren pruefen MFA heute als Mindeststandard fuer privilegierte Accounts und Fernzugang.

Wo MFA gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022A.8.5Sichere Authentifizierung: MFA fuer privilegierten Zugriff und Fernzugang als bevorzugte Massnahme.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2bAuthentifizierungsmassnahmen als technische Schutzmassnahme -- MFA fuer wesentliche Zugriffe vorgesehen.
DORAArt. 9 Abs. 2Starke Authentifizierung als Mindestanforderung fuer Zugriff auf IKT-Systeme.
DSGVOArt. 32 Abs. 1bFaehigkeit zur Wiederherstellung der Vertraulichkeit -- MFA verringert Risiko unbefugten Zugriffs auf personenbezogene Daten.
BSI TL-03141vollstaendigTechnische Leitlinie fuer Zwei-Faktor-Authentifizierung: Mindestanforderungen an MFA-Implementierungen.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt CROSS-MF-01
BeschreibungCompliance-Objekt mit Framework-Mapping und Evidence-Anforderungen

Haeufige Audit-Fehler

  • MFA nur fuer IT-Administratoren, nicht fuer alle privilegierten Accounts
  • Ausnahmen (Service-Accounts, Legacy-Systeme) ohne dokumentierte Risikoakzeptanz
  • SMS als zweiter Faktor trotz bekannter Schwachstellen (SIM-Swapping)
  • Keine MFA fuer Cloud-Konsolen und externe Dienste

MFA-Faktoren im Vergleich

Nicht alle MFA-Implementierungen sind gleichwertig. SMS-OTP ist der schwaeachste Faktor (SIM-Swapping, SS7-Schwachstellen) und sollte nur als Uebergangsloesung akzeptiert werden. TOTP-Apps (Google Authenticator, Authy) bieten deutlich besseren Schutz. Hardware-Token (FIDO2/WebAuthn, YubiKey) sind phishing-resistent und der empfohlene Standard fuer hochprivilegierte Zugriffe. Biometrische Faktoren (Fingerabdruck, Gesichtserkennung) sind bequem, aber lokal -- sie schutzen das Geraet, nicht zwingend den Dienst. BSI TL-03141 empfiehlt fuer wesentliche Einrichtungen den Einsatz phishing-resistenter Verfahren (FIDO2).

Phishing-resistente MFA

Klassische MFA-Verfahren (SMS, TOTP) sind angreifbar durch Echtzeit-Phishing: Der Angreifer leitet die OTP-Eingabe des Opfers sofort an den echten Dienst weiter (Adversary-in-the-Middle-Angriff). Phishing-resistente MFA (FIDO2/Passkeys) loest dieses Problem durch kryptographische Bindung der Authentifizierung an den spezifischen Dienst. Diese Kategorie wird von NIS-2 und DORA fuer wesentliche Einrichtungen als Best Practice erwartet.

Naechste Ebene

MFA in der Praxis: Audit-Anforderungen und Evidence

Was Auditoren konkret pruefen -- Abdeckung, Ausnahmen, Staerke der Faktoren und Evidence-Checkliste.

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