Compliance-Lexikon · Risiko

Risk Appetite Statement

[rɪsk ˈæpɪtaɪt ˈsteɪtmənt] · auch: Risikobereitschaftserklaerung, Risikotoleranz

Ein Risk Appetite Statement ist die formale Erklaerung des Leitungsorgans, wie viel Risiko eine Organisation bereit ist einzugehen, um ihre Ziele zu erreichen – als quantitative und qualitative Schwellenwerte, die Risikobewertungen und -akzeptanzentscheidungen steuern.

Warum das Risk Appetite Statement der Anker jedes Risikomanagements ist

Ohne ein Risk Appetite Statement gibt es keinen Massstab für Risikoentscheidungen: Wie hoch darf ein Restrisiko sein, um akzeptiert zu werden? Welche Risiken müssen zwingend behandelt werden? ISO 27001 verlangt explizit Risikoakzeptanzkriterien. DORA fordert den Risikoappetit als Teil des IKT-Risikomanagement-Rahmens. Ohne diese Grundlage sind alle Risikobewertungen subjektiv und nicht vergleichbar.

Wo das Risk Appetite Statement gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022Kap. 6.1.2Informationssicherheitsrisikobeurteilung: Risikoakzeptanzkriterien muessen definiert sein -- Risk Appetite als Grundlage.
ISO 31000Kap. 5.4.3Risikobereitschaft: Explizite Anforderung an die Definition und Kommunikation der Risikobereitschaft.
DORAArt. 6IKT-Risikomanagement-Rahmen: Risikoappetit als Teil des dokumentierten Rahmens.
NIS-2 / BSIG§ 30Risikobasierter Ansatz: Massnahmen muessen dem Risikoniveau angemessen sein -- impliziert definierten Risikoappetit.
DCGKKap. 4.1Risikobereitschaft als Leitungsorgansaufgabe: Vorstand legt Risikobereitschaft fest, Aufsichtsrat ueberwacht.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt RISK-RA-01
BeschreibungRisk-Appetite-Statement mit Schwellenwerten fuer akzeptierbare Risiken, genehmigt durch Leitungsorgan

Häufige Audit-Fehler

  • Kein formales Risk Appetite Statement vorhanden
  • Risikoappetit nicht vom Leitungsorgan genehmigt
  • Qualitative Aussagen ohne messbare Schwellenwerte
  • Risikoappetit nicht mit tatsächlichen Risikoakzeptanzentscheidungen verbunden

Aufbau eines Risk Appetite Statements

Ein vollständiges Risk Appetite Statement kombiniert qualitative und quantitative Elemente. Qualitativ definiert es Risikokategorien, die grundsätzlich nicht akzeptiert werden (z.B. Complianceverstösse mit Strafverfolgungsrisiko) und solche, die im Rahmen definierter Grenzen akzeptiert werden koennen (z.B. operative Risiken bis zu einem bestimmten erwarteten Jahreschaden). Quantitativ setzt es konkrete Schwellenwerte: maximale Risikoexposition pro Kategorie in Geldeinheiten oder Wahrscheinlichkeit-Auswirkungs-Punktzahl. Das Leitungsorgan muss das Statement genehmigen -- nicht die IT-Abteilung.

Risk Appetite vs. Risikotoleranz

Risk Appetite bezeichnet das angestrebte Risikoniveau -- wie viel Risiko die Organisation aktiv eingehen will, um Ziele zu erreichen. Risikotoleranz bezeichnet die maximale Abweichung vom Risk Appetite, die noch akzeptabel ist, bevor eskaliert werden muss. Beide sind zu definieren: der Appetite als Steuerungsgrösse, die Toleranz als Alarmgrenze. Viele Organisationen definieren nur eine der beiden -- was zu Unklarheiten bei Risikoakzeptanzentscheidungen führt.

Nächste Ebene

Risk Appetite Statement in der Praxis: Aufbau, Genehmigung und Evidence

Wie ein Risk Appetite Statement erstellt, genehmigt und im Audit nachgewiesen wird.

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