Compliance-Lexikon · Governance

Compliance Framework

[kəmˈplaɪəns ˈfreɪmwɜːk] · auch: Compliance-Rahmen, Regelwerk-Architektur

Ein Compliance Framework ist die strukturierte Gesamtheit von Richtlinien, Kontrollen, Prozessen und Verantwortlichkeiten, die sicherstellt, dass eine Organisation alle anwendbaren regulatorischen Anforderungen erfüllt – als dokumentierter Rahmen, der Regelwerke, Massnahmen und Nachweise verknüpft.

Warum Compliance Framework ein Governance-Kernbegriff ist

Compliance Framework ist eine der Grundanforderungen jedes reifen IT-Compliance-Programms. Die relevanten Frameworks – ISO 27001, NIS-2 und DORA – setzen Compliance Framework als Voraussetzung für ein wirksames Sicherheits- und Compliance-Programm voraus. Im Audit ist es ein Standardpruefpunkt: nicht ob die Organisation den Begriff kennt, sondern ob sie ihn nachweislich umsetzt.

Wo Compliance Framework gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022Kap. 6.1Massnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen: Das Compliance-Framework strukturiert die Massnahmenplanung.
NIS-2 / BSIG§ 30Technische und organisatorische Massnahmen: Vollständiges Compliance-Framework als Nachweis der Umsetzung.
DORAArt. 6IKT-Risikomanagement-Rahmen: Vollständiger dokumentierter Rahmen als DORA-Pflicht.
BSI IT-GrundschutzISMS.1ISMS-Grundanforderungen umfassen ein dokumentiertes Framework mit Anforderungsmatrix.
ISO 37301vollständigCompliance-Management-Systeme: Internationaler Standard für den Aufbau von Compliance-Frameworks.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt GOV-CF-01
BeschreibungCompliance-Framework-Dokument mit regulatorischen Anforderungen, Kontrollen und Verantwortlichkeiten

Häufige Audit-Fehler

  • Konzept verstanden, aber nicht formal dokumentiert
  • Richtlinie vorhanden, aber nicht genehmigt und nicht kommuniziert
  • Keine regelmäßige Überprüfung der Umsetzung
  • Fehlende Evidence für den Auditor

Kernelemente in der Praxis

Ein wirksames Compliance Framework-Programm benötigt vier Elemente: erstens eine dokumentierte Richtlinie oder Rollendefinition, die formal genehmigt und kommuniziert wurde; zweitens die operative Umsetzung mit konkreten Massnahmen und Verantwortlichkeiten; drittens regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit – mindestens jährlich; und viertens lueckenlose Evidence für den Audit-Nachweis. Fehlt eines dieser Elemente, entsteht ein klassischer Audit-Befund: Richtlinie vorhanden, aber nicht gelebt, oder gelebt, aber nicht nachgewiesen.

Abgrenzung und Einordnung

Compliance Framework steht nicht allein, sondern in einem Zusammenhang mit anderen Governance-Instrumenten. Die Wirksamkeit hängt davon ab, dass übergeordnete Strukturen – Board Oversight, CISO-Funktion, Compliance-Framework – vorhanden und aktiv sind. Ein Compliance Framework-Programm ohne eingebundenes Leitungsorgan und ohne ausreichende Ressourcen wird formal erfüllt, aber nicht wirksam sein.

Nächste Ebene

Compliance Framework in der Praxis: Umsetzung, Nachweise und Evidence

Was Auditoren bei Compliance Framework konkret prüfen und welche Evidence benötigt wird.

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