Compliance-Lexikon · Governance
Regulatory Compliance
[ˈrɛɡjʊlətəri kəmˈplaɪəns] · auch: regulatorische Konformität, Gesetzeskonformität
Regulatory Compliance bezeichnet die Einhaltung aller anwendbaren gesetzlichen, regulatorischen und vertraglichen Anforderungen – als kontinuierlicher Prozess der Anforderungsidentifikation, Massnahmenumsetzung und Nachweisführung, nicht als einmaliges Projekt.
Warum Regulatory Compliance ein Governance-Kernbegriff ist
Regulatory Compliance ist eine der Grundanforderungen jedes reifen IT-Compliance-Programms. Die relevanten Frameworks – ISO 27001, NIS-2 und DORA – setzen Regulatory Compliance als Voraussetzung für ein wirksames Sicherheits- und Compliance-Programm voraus. Im Audit ist es ein Standardpruefpunkt: nicht ob die Organisation den Begriff kennt, sondern ob sie ihn nachweislich umsetzt.
Wo Regulatory Compliance gefordert wird
| Framework | Referenz | Anforderung |
|---|---|---|
| ISO 37301 | vollständig | Compliance-Management-Systeme: Internationaler Standard für systematisches Regulatory Compliance. |
| NIS-2 / BSIG | vollständig | NIS-2 ist eine der zentralen regulatorischen Anforderungen für IT-Compliance in der EU. |
| DSGVO | vollständig | DSGVO ist die Basisregulierung für alle Organisationen, die personenbezogene Daten verarbeiten. |
| ISO 27001:2022 | Kap. 6.1.3 | Erklärung zur Anwendbarkeit: Alle anwendbaren Anforderungen müssen identifiziert und dokumentiert sein. |
| DORA | vollständig | DORA ist ab Januar 2025 die Basis-Regulierung für digitale Betriebsstabilität im Finanzsektor. |
BAM-Objektreferenz
Häufige Audit-Fehler
- Konzept verstanden, aber nicht formal dokumentiert
- Richtlinie vorhanden, aber nicht genehmigt und nicht kommuniziert
- Keine regelmäßige Überprüfung der Umsetzung
- Fehlende Evidence für den Auditor
Kernelemente in der Praxis
Ein wirksames Regulatory Compliance-Programm benötigt vier Elemente: erstens eine dokumentierte Richtlinie oder Rollendefinition, die formal genehmigt und kommuniziert wurde; zweitens die operative Umsetzung mit konkreten Massnahmen und Verantwortlichkeiten; drittens regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit – mindestens jährlich; und viertens lueckenlose Evidence für den Audit-Nachweis. Fehlt eines dieser Elemente, entsteht ein klassischer Audit-Befund: Richtlinie vorhanden, aber nicht gelebt, oder gelebt, aber nicht nachgewiesen.
Abgrenzung und Einordnung
Regulatory Compliance steht nicht allein, sondern in einem Zusammenhang mit anderen Governance-Instrumenten. Die Wirksamkeit hängt davon ab, dass übergeordnete Strukturen – Board Oversight, CISO-Funktion, Compliance-Framework – vorhanden und aktiv sind. Ein Regulatory Compliance-Programm ohne eingebundenes Leitungsorgan und ohne ausreichende Ressourcen wird formal erfüllt, aber nicht wirksam sein.
Nächste Ebene
Regulatory Compliance in der Praxis: Umsetzung, Nachweise und Evidence
Was Auditoren bei Regulatory Compliance konkret prüfen und welche Evidence benötigt wird.