Compliance-Lexikon · Governance

Password Policy

[ˈpɑːswɜːd ˈpɒlɪsi] · auch: Passwortrichtlinie, Kennwortrichtlinie

Eine Password Policy ist eine verbindliche Richtlinie, die Mindestanforderungen an die Qualität und Verwaltung von Passwörtern festlegt – einschließlich Mindestlänge, Komplexität, Rotation, Wiederverwendungsverbote und die Kombination mit MFA für privilegierte Zugaenge.

Warum Password Policy ein Governance-Kernbegriff ist

Password Policy ist eine der Grundanforderungen jedes reifen IT-Compliance-Programms. Die relevanten Frameworks – ISO 27001, NIS-2 und DORA – setzen Password Policy als Voraussetzung für ein wirksames Sicherheits- und Compliance-Programm voraus. Im Audit ist es ein Standardpruefpunkt: nicht ob die Organisation den Begriff kennt, sondern ob sie ihn nachweislich umsetzt.

Wo Password Policy gefordert wird

FrameworkReferenzAnforderung
ISO 27001:2022A.5.17Authentifizierungsinformationen: Passwortverwaltung als explizite Kontrollanforderung.
NIS-2 / BSIG§ 30 Abs. 2bStarke Authentifizierung als technische Mindestmassnahme – Passwortrichtlinie als Grundlage.
BSI TL-03141vollständigTechnische Leitlinie Zwei-Faktor-Authentifizierung enthält Empfehlungen für Passwortanforderungen.
NIST SP 800-63BvollständigDigital Identity Guidelines: Aktuelle NIST-Empfehlungen für Passwortrichtlinien (kein regelmäßiger Wechsel ohne Kompromittierungshinweis).
CIS Controls v8Control 5Account Management: Passwortrichtlinie als Teil des Kontenmanagements.

BAM-Objektreferenz

BAM-Objekt GOV-PP-01
BeschreibungPasswort-Richtlinie mit Mindestanforderungen, MFA-Verpflichtung und Passwort-Manager-Empfehlung

Häufige Audit-Fehler

  • Konzept verstanden, aber nicht formal dokumentiert
  • Richtlinie vorhanden, aber nicht genehmigt und nicht kommuniziert
  • Keine regelmäßige Überprüfung der Umsetzung
  • Fehlende Evidence für den Auditor

Kernelemente in der Praxis

Ein wirksames Password Policy-Programm benötigt vier Elemente: erstens eine dokumentierte Richtlinie oder Rollendefinition, die formal genehmigt und kommuniziert wurde; zweitens die operative Umsetzung mit konkreten Massnahmen und Verantwortlichkeiten; drittens regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit – mindestens jährlich; und viertens lueckenlose Evidence für den Audit-Nachweis. Fehlt eines dieser Elemente, entsteht ein klassischer Audit-Befund: Richtlinie vorhanden, aber nicht gelebt, oder gelebt, aber nicht nachgewiesen.

Abgrenzung und Einordnung

Password Policy steht nicht allein, sondern in einem Zusammenhang mit anderen Governance-Instrumenten. Die Wirksamkeit hängt davon ab, dass übergeordnete Strukturen – Board Oversight, CISO-Funktion, Compliance-Framework – vorhanden und aktiv sind. Ein Password Policy-Programm ohne eingebundenes Leitungsorgan und ohne ausreichende Ressourcen wird formal erfüllt, aber nicht wirksam sein.

Nächste Ebene

Password Policy in der Praxis: Umsetzung, Nachweise und Evidence

Was Auditoren bei Password Policy konkret prüfen und welche Evidence benötigt wird.

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